Vortrag 1: Die Auswirkungen frühen Musizierens auf Gehirn und Verhalten unter besonderer Berücksichtigung von Entwicklungsauffälligkeiten und Lernstörungen: Ergebnisse der internationalen AMseL-Langzeitstudie

Seither-Preisler

PD Dr. Mag. Annemarie Seither-Preisler

Kurzbiografie:
Nach Abschluss der Studien Psychologie und Biologie Habilitation und internationale Forschungstätigkeit zu neurowissenschaftlichen Aspekten der Klang- und Musikwahrnehmung an den Universitäten Graz, München, Münster und Heidelberg. Seit 2009 BMBF-Langzeitstudie zu neurokognitiven Auswirkungen kindlicher musikalischer Praxis an der Universität Graz (Institut für Psychologie und Zentrum für Systematische Musikwissenschaft) und der Neurologischen Klinik der Universität Heidelberg.

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Seit 2009 wird in Kooperation zwischen den Universitäten Graz und Heidelberg in einer Längsschnittstudie mit 220 Kindern untersucht, wie sich frühes Musizieren auf die Entwicklung des Hörvermögens und Gehirns auswirkt. Dabei werden sowohl neuroanatomische Merkmale als auch die Präzision der neuronalen Verarbeitung erfasst. Des Weiteren sind sogenannte Transfereffekte - also mögliche positive Auswirkungen des Musizierens - auf Aufmerksamkeit, Sprachkompetenz und Lese-Rechtschreibfähigkeit von Interesse. Die bisherigen Ergebnisse von 3 Wiederholungsmessungen zeigen, dass neurologische Hörfunktionen über die Kindheit bis in die Pubertät hinein ausreifen. Das Tempo dieser natürlichen Entwicklung ist maßgeblich davon beeinflusst, wie viel in dieser Lebensphase musiziert wird. Außerdem besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Übeintensität und der Synchronisation der rechten und linken Gehirnhemisphäre. Dies ist von Bedeutung, da beide Hirnhälften bei der Sprach- und Musikverarbeitung eine Spezialisierung aufweisen, wobei schnell veränderliche Merkmale (z.B. Konsonantenunterscheidung „B vs. P“) links und längere Informationseinheiten (Silben, Satzrhythmen) primär rechts verarbeitet werden. Eine Integration beider Zeitbereiche ist wesentlich, um Gehörtes mühelos zu verstehen und damit eine wichtige Voraussetzung für die Sprach- und Lese-Rechtschreibkompetenz. Bei Kindern mit AD(H)S und Legasthenie waren die neurologischen Muster gegenläufig zu jenen der intensiv Musizierenden. Hier verlief die Entwicklung besonders langsam und die Hemisphärensynchronisation war deutlich beeinträchtigt. Ein Langzeitvergleich zeigt, dass die bei Kindern mit Lernstörungen beobachteten Auffälligkeiten sich durch intensives Musizieren deutlich verbesserten bzw. sogar normalisierten.

Vortrag 2: Musik als Mittlerin zwischen Welten - Von den Wirkungen des improvisierten Musizierens

Bucher

Dieter Bucher

Kurzbiografie:
Lehrer für Elementare Musikpädagogik am Landeskonservatorium Klagenfurt seit 2007
Leiter der Fachgruppe Elementare Musikpädagogik der Musikschulen des Landes Kärnten seit 2010
Lehrer für Aktivierung und Kreativer Ausdruck in der Schule für Sozialbetreuungsberufe Waiern seit 1999
Lehrer an Volks- und Neuen Mittelschule von 1987 bis 2010
Musik- und Tanzworkshops für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, für Jugendliche in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, für jugendliche Straftäter an der Justizanstalt Klagenfurt etc.
Referententätigkeit für Musikpädagogik an Pädagogischen Instituten und Hochschulen in ganz Österreich, Musikuniversität Wien, AGMÖ, DACH, Masterclass Peking, Bakip/Bafep etc.
Autor zahlreicher Lieder und Musiktheaterstücke für Kinder und Erwachsene

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